Judith Rosen: Frauen im frühen Christentum. Ihre Konversion - ihre Mission, Verlag Herder, Freiburg i.B. 2026
Inhalt
Frauen spielten bei der Ausbreitung des frühen Christentums von einer kleinen Jerusalemer Gemeinde zur Weltreligion eine entscheidende Rolle. Zu diesem Schluss kommt die Historikerin Judith Rosen der vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchung. Dabei nahmen Frauen oft Gefahren in Kauf, da ihre Anhängerschaft jenseits von Vielgötterglauben und Judentum sie zu gesellschaftlichen Außenseiterinnen machte. Rosen analysiert mit Hilfe antiker Quellen und mittelalterlichen Überlieferungen kenntnisreich die Motive der Konversion sowie die Rollen der Frauen in der frühchristlichen Mission. Hierbei arbeitet sie unterschiedliche Rollen als Prophetinnen, Patroninnen, Diakoninnen und Märtyrerinnen heraus. Auch für die Gleichstellung mit männlichen Aposteln findet die Bonner Historikerin Hinweise.
Aufbau
In insgesamt 10 Kapiteln werden nach einer Analyse der Rolle der Frauen in der katholischen Kirche die historischen Gegebenheiten vom 1. bis 4. Jahrhundert dargestellt. Es folgen Abschnitte zur „Bekehrungsmotivation“, „weiblichen Missionsstrategien“ und ein Kapitel über „Märtyrerinnen“. Im letzten textlichen Abschnitt wird der Weg Theklas von Ikonium, als Beispiel des Handelns von Apostelinnen und Märtyrerrinnen exemplarisch nachgezeichnet. Wie es sich für eine wissenschaftliche Abhandlung gehört, schließt das Buch mit einem umfangreichen Anhang, der neben einem Quellen- und Literaturverzeichnis auch eine hilfreiche Zeittafel sowie ein Register enthält.
Fazit
Das Buch wird vor allem für diejenigen Leserinnen und Leser ein Gewinn sein, die intensiv in die Geschichte der Frauen sowie die Entwicklung des frühen Christentums in den ersten vier Jahrhundert einsteigen möchten. Hilfreich ist dabei ein Grundwissen zur römischen Kaiserzeit sowie der geographischen Gegebenheiten. Da das Werk vollständig auf Abbildungen verzichtet ist gerade Letzteres sinnvoll. Andererseits lädt der umfangreiche wissenschaftliche Anmerkungsapparat dazu ein, mit Hilfe weiterer Primär- bzw. Sekundärliteratur noch weiter in Teilaspekte des Themas einzutauchen bzw. sich selbst eine Meinung zu bilden. Damit wird der Text dem wissenschaftlichen Anspruch eines Diskurses gerecht. „Leichte Kost“ sollte jedoch nicht erwartet werden. Dies gibt einerseits das Thema aufgrund der vielen individuellen Leidensgeschichten, andererseits durch die wissenschaftliche Schreibweise mit vielen altsprachlichen Zitaten (i.d.R. mit Übersetzung) nicht her. Jedoch lohnen die teilweise überraschenden Ergebnisse zu den wegweisenden (missionarischen) Tätigkeiten der frühen Christinnen in jedem Fall die Auseinandersetzung mit dem Buch.
Link zum Buch: https://www.herder.de/wissen/shop/p8/94215-frauen-im-fruehen-christentum-kartonierte-ausgabe/
